Versuchsvorhaben Baumarten unter den Bedingungen des Klimawandels

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Im Pinneberger Baumschulgebiet wurde vor über 200 Jahren die erste Baumschule gegründet. Mit heute 292 Baumschulen, die auf über 3500 ha Baumschulwirtschaft betreiben zählt das Gebiet nordwestlich von Hamburg zu den größten zusammenhängenden Baumschulgebieten der Welt.

Die Baumschulen geben 5000 Menschen Lohn und Arbeit und erwirtschaften knapp 250 Mio € im Jahr, ca. ein Viertel aller in Deutschland im Segment Baumschule getätigten Umsätze. 10 – 15 % der Umsätze entfallen auf den Export in EU – Staaten und andere Länder.

Ausgangslage

Witterungsextreme und zahlreiche neue Krankheitserreger, die u.a. auch durch den Klimawandel begünstigt werden, führen bei einzelnen Baumarten schon heute zu Problemen am Endstandort. Unter diesen Vorzeichen erscheint es wahrscheinlich zu sein, dass sich zukünftig insbesondere solche Pflanzen und Baumarten bei uns gut entwickeln werden, die aus heißen, trockenen Regionen stammen, in denen außerdem schon länger vergleichbare Wetterextreme auftreten, wie sie für unsere Regionen prognostiziert werden. Ein starres Festhalten an der Verwendung von einheimischen Arten ist daher zu hinterfragen. Es erscheint also für die Zukunft wichtig zu sein, die gegenwärtigen Gehölzsortimente durch solche Arten zu ergänzen, die über eine hohe Toleranz gegen die zu erwartenden Witterungsextreme verfügen, wobei dabei insbesondere auch Arten aus anderen Klimabereichen in Betracht kommen. Diese notwendige Überprüfung und Anpassung der Gehölzsortimente an den prognostizierten Klimawandel ist ein wichtiger Faktor für die Zukunftsfähigkeit der Baumschulen im Pinneberger Baumschulgebiet und damit für den Erhalt der nahezu 5000 Arbeitsplätze.

Projektbeschreibung

Die Prüfung der Klimatoleranz vorwiegend solcher Baumarten, die gegenwärtig noch nicht zum üblichen Sortiment der meisten Baumschulen in Schleswig-Holstein und Deutschland gehören, steht im Vordergrund des geplanten Versuchsvorhabens, das die Abt. Gartenbau der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein im Gartenbauzentrum Ellerhoop durchführen möchte. Dazu sollen jeweils 5 Exemplare von 47 „neueren“ Baumarten ein Sortiment aus weiteren 18 „neueren“ Baumarten ergänzen, das der Versuchs- und Beratungsring Baumschulen e.V. bereits auf eine Versuchsfläche gepflanzt hat und das Dr. Lösing aus den USA mitgebracht hat. Diese insgesamt 65 Baumarten sollen über einen Zeitraum von mindestens 10 Jahren unter den klimatischen Gegebenheiten in Ellerhoop geprüft werden (Wachstum, Gesundheit, Klima). Dabei ist eine enge Kooperation mit drei weiteren Versuchsstandorten in Deutschland bereits abgesprochen, um möglichst eine Aussage zur Klimatoleranz der geprüften Baumarten für alle Regionen in Deutschland treffen zu können.

Das Versuchsvorhaben ist Teil eines größeren Netzwerkes von Versuchsstandorten in ganz Deutschland (Quedlinburg, Berlin, Veitshöchheim, Bad Zwischenahn), mit welchen eng kooperiert wird. An allen genannten Standorten wird ein gemeinsames Basissortiment von mindestens 20 Baumarten gepflanzt und anhand einheitlicher Parameter beurteilt. Dadurch wird ein sehr großer Klimabereich Deutschlands abgedeckt und relevante Aussagen zur Zukunftsfähigkeit der geprüften Baumarten in Deutschland können getroffen werden.

Eine Aufpflanzung mit insgesamt 65 Baumarten, die gegenwärtig noch nicht im gängigen Sortiment der heimischen Baumschulen vorhanden sind, soll realisiert werden. Im Einzelnen werden folgende Maßnahmen angestrebt.

• Ankauf der 65 Baumarten, die der beiliegenden Tabelle entnommen werden können. (Je Sorte werden jeweils 5 Stück gebraucht = 65 x 5 = 325 Bäume => ca. 21.060 € netto)
• Ankauf von Hilfsmitteln zur Baumpflanzung. Zum Pflanzen werden Hilfsmittel wie Baumpfähle (1.377 € netto) , Anbindematerial (121,50 € netto), Dünger (405 € netto) und Baumsubstrat nach den Richtlinien der FLL benötigt (9.603.75 € netto)
• Ankauf der Messeinrichtungen für die Erfassung der Klimakennwerte. Es werden Geräte zum Erfassen der Bodentemperatur im Wurzelraum der Gehölze (an 15 exemplarischen Bäumen = 6.075 € netto) benötigt sowie Geräte zur Erfassung der Wasserspannung im Wurzelraum (an 15 exemplarischen Bäumen = 13.365 € netto)

Projektziele

Das Projekt dient dem Versuch zukunftsfähige Baumarten zu identifizieren, die unter den prognostizierten Bedingungen der klimatischen Veränderungen genutzt werden können. Ziel ist es, die Baumarten über einen längeren Zeitraum (10 Jahre und mehr) zu beobachten, die Vitalität, Winterhärte, Wachstum und Krankheitsanfälligkeit unter den gegebenen Klimabedingungen zu beurteilen und die klimatischen Bedingungen im Bestand zu dokumentieren, damit eine Beziehung zwischen den Wachstumsreaktionen der einzelnen Baumarten und den tatsächlichen Klimabedingungen hergestellt werden kann. Dieses Vorhaben ist deswegen von großer Wichtigkeit, da die Baumschulen bereits heute die Entscheidungen treffen müssen, welche Baumarten in 10 oder 15 Jahren als fertiger Baum in die Landschaft gepflanzt werden sollen.

Projektdetails

  • Antragsteller: Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Abt. Gartenbau
  • Trägerschaft: Öffentlich
  • Projektkosten (Euro): 61.888,63
  • Fördersumme (Euro): 28.603,99
  • Zeitraum: 2010-2020

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